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Teufelskreis Neurodermitis

Die Wissenschaft erzielt Fortschritte

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Für die Betroffenen stellt die Neurodermitis eine schwere Belastung dar. Nicht nur, dass sie der unerträgliche Juckreiz, der meist in Schüben auftritt, bisweilen in den Wahnsinn treibt –, auch die Auswirkungen auf die Psyche sind oft gravierend. Da ist zum einen die ständige Angst vor der nächsten Attacke – die ganz sicher kommen wird – und die den Erkrankten kaum zur inneren Ruhe finden lässt. Zum anderen ist es das Eigenbild, oder nennen wir es treffender das Image der Neurodermitis, das der Patient in die Öffentlichkeit projiziert. Fragende Blicke und eine gewisse, nachvollziehbare Neugierde der Mitmenschen beim Betrachten der befallenen Hautpartien werden mitunter noch als Interesse oder Mitleid empfunden. Meist aber tendiert die Resonanz der anderen in emotionale Abgründe, die einer Schilderung nicht wert sind. Und wer so etwas schon einmal erlebt hat, der kann nachvollziehen, wie sehr ein solches Verhalten den Betroffenen zu schaffen macht.

Etwa zwei Prozent der Erwachsenen sind es, die hierzulande an der atopischen Dermatitis (so lautet der Fachbegriff) erkrankt sind. Schätzungen zu Folge beträgt die Anzahl der Schwererkrankten ein Zehntel davon. Bei Kindern im Vorschulalter steigt der Anteil auf unglaubliche zehn bis zwölf Prozent. Es ist kaum vorstellbar, wie sich die Jüngsten mit dieser Krankheit plagen, sind sie es doch, deren natürliche Reflexe immer wieder aufs Neue zum Kratzen verführen. Und genau dann beginnt der Teufelskreis, da der eigentliche Herd der Neurodermitis unter der Haut liegt. Durch die durch das Aufkratzen geschädigte Hautbarriere können nicht nur Allergene wie zum Beispiel Pollen oder andere Schadstoffe fast ungehindert in den Körper eindringen. Auch Reizstoffen aus Textilien ist der Weg geebnet.

Fast achtzig Prozent der Betroffenen leiden zudem an weiteren atopischen Erkrankungen: Neben der bereits genannten Pollenallergie sind es die Hausstaubmilben, Stäube bestimmter Tiere, aber auch diverse Lebensmittel, die den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Nahezu jeder Dritte gilt darüber hinaus als Asthmatiker.

Die Entstehung der Neurodermitis ist nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Zwar legt ein gehäuftes familiäres Auftreten die Vermutung nahe, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen –, die geradezu dramatische Steigerung der Erkrankungen bei Vorschulkindern erklärt diese Hypothese jedoch nicht. Denn weder der Anteil der Haustiere pro Haushalt noch das Unwesen, das die Hausstaubmilbe in unseren Gemächern treibt, haben sich signifikant erhöht. Und auch der Faktor Umwelteinflüsse kommt nicht so recht zum Tragen, denn summa summarum ist die Luft in unserem Lande in den vergangenen fünfzig Jahren deutlich reiner geworden und nur verfeinerte Messtechniken auf höchstem Niveau fördern jetzt die hohen Feinstaubbelastungen zu Tage.

Nüchtern betrachtet war das Interesse der Wissenschaft an einer Erforschung der Neurodermitis in der Vergangenheit eher gering. Geforscht wurde lediglich auf der zweiten Spur, so dass die konventionelle Therapie mittels Kortison-Verbindungen relativ alternativlos war. Einzige nennenswerte Ausnahme: das Cyclosporin. Doch dieses Medikament strotzte – trotz seiner hohen Wirksamkeit – nur so vor Nebenwirkungen, so dass es als fragwürdig eingestuft wurde. Seit einiger Zeit wird die Wirksamkeit neuer Therapeutika in klinischen Studien forciert untersucht. Und auf einmal gibt es einen Hoffnungsschimmer. Warum es so lange gedauert hat, bis sich die Forscher dem Teufelskreis gewidmet haben, ist vielen Betroffenen ein Rätsel. Gegenstand der Forschung ist es, die sogenannten Typ1-Zytokine, die bei der Kommunikation zwischen Immunzellen und Gewebezellen wichtig sind, zu hemmen, denn bei Menschen mit Neurodermitis und allergischem Asthma wirken diese Zytokine überreguliert.

Ende 2018 wurde der Antikörper Dupilumab für die Behandlung erwachsener Patienten zugelassen. Vornehmlich zielt er auf diejenigen ab, die mit Cremes, Salben und Tabletten keine ausreichenden Erfolge erreichen. Das Präparat wird injiziert, da therapeutische Antikörper die Magen-Darm-Passage nicht überstehen. Für Kinder bedeutet diese Form der Verabreichung leider eine wahre Tortur. Die Nebenwirkungen des Dupilumab sind äußerst gering. Allerdings wirkt das Medikament nicht bei allen Patienten gleichermaßen, so dass es lediglich eine Zwischenstufe auf dem Weg zu einer vollständigen Heilung der Neurodermitis darstellt.

Einen weiteren Hoffnungsschimmer zeigen neuartige Antiallergika, die die Aktivität des Histamin, einem zentralen Botenstoff der allergischen Entzündungen, blockieren. Eine erst vor kurzem veröffentlichte Studie, bei der ein Histamin-4-Rezeptorblocker in Tablettenform verabreicht wurde, förderte bereits nach kurzer Behandlungszeit erstaunliche Ergebnisse zu Tage. Es besteht also die begründete Hoffnung, dass in nicht allzu ferner Zukunft der Teufelskreis durchbrochen werden wird.

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