Entspannung und Geist

Früher war alles besser

Gibt es einen Weg zurück?

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Dass das Volk der Deutschen an Bewegungsmangel leidet, ist längst kein Geheimnis mehr. Zum einen haben sich unsere Gewohnheiten dadurch massiv geändert, dass vieles, was früher rein manuell (also von Hand) ausgeführt wurde, heutzutage von irgendeinem Apparat oder gleich von einer Maschine übernommen wird. Die Wäsche wird längst nicht mehr mittels Waschbrett gereinigt, das Stampfen der Kartoffeln verrichtet eine Küchenmaschine (und noch vieles mehr) und beim Fahrradfahren muss – wer nicht will – auch nicht mehr in die Pedalen treten (Stichwort E-Bike). Zum anderen sind die Belastungen, die der Berufsalltag mit sich bringt, rapide gesunken. Kaum jemand arbeitet noch im Steinbruch oder fällt Bäume mit der Axt. Hinzu kommt eine Änderung der Gewohnheiten bei den Freizeitbeschäftigungen. Fast alles, was uns nach der Arbeit oder am Wochenende Freude bereitet, ist längst nicht mehr so bewegungsintensiv wie noch vor fünfzig Jahren.

Begonnen hat alles mit der Erfindung des Fernsehers. Traf man sich zuvor noch draußen auf der Straße, um sich – beim Spaziergang um die Häuser – zu unterhalten oder mit den Kindern zu spielen, so verlagerte sich das Freizeitleben zusehends in die gute Stube. Der Reiz des Neuen zog alle in seinen Bann. Doch vorerst war das Angebot der Fernsehsender auf die Abendstunden beschränkt und so tollten die Sprösslinge nach wie vor herum und bewegten sich ausgiebig.

Anfang der 1990-er-Jahre hielten die Privatsender Einzug in unsere Freizeitgestaltung, ein paar Jahre später kam das Internet hinzu. Ob Fluch oder Segen sei dahingestellt, Fakt ist, seit dieser Zeit attestieren die Mediziner dem Nachwuchs einen massiven Bewegungsmangel, der dazu geführt hat, dass mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen an Übergewicht leidet. Bei den Erwachsenen ist diese Tendenz noch erschreckender, und so stellt sich die Frage, wie man diesem Missstand begegnen kann und sollte.

Die schlechte Nachricht zuerst: Eigentlich ist das Kind längst in den Brunnen gefallen und so sehr man sich auch – gedanklich und zukunftsorientiert – mit dem Problem befasst, so sehr wird einem vor Augen geführt, dass es keinerlei Lösungsansatz gibt. Die neuen Medien haben große Teile unserer Gesellschaft derart in ihren Bann gezogen, dass eine Umkehr zur gewünschten Normalität und mit ihr zu einer gesunden Lebensweises völlig undenkbar ist. Mitunter mündet die Resignation in staatlich initiierte Bewegungsprogramme (für Kinder, aber auch für Erwachsene) und offenbart so die ganze Ratlosigkeit.

Es ist geradezu ein Jammer! Doch das Problem ist hausgemacht. Wenn wir nur ein einziges Mal so ehrlich wären und uns eingestehen würden, dass das Fernsehen und mit ihm das Internet, das Smartphone, die Spielekonsole, YouTube, Twitter und Facebook in all ihren Facetten über alle (tolerierbaren) Maße unser Wohlergehen und das unserer Kinder negativ beeinflusst hat, dann könnten wir das Ruder noch herumreißen.

Zum Geburtstag unserer dreijährigen Tochter trafen sich sechs Kindergartenkinder zu einer ausgelassenen Feier. Das Motto lautete: „Spiel ohne Grenzen“. Gemeinsam gingen wir in den Wald und tobten uns beim Eichel-Suchen, Wettrennen und -klettern mal so richtig aus. Unisono zeigten die Kinder vor dem Nachhausegehen ihre Begeisterung.

Gestern, als ich unsere Tochter vom Kindergarten abholte, gingen wir noch auf den Spielplatz. Während ich mit ihr auf einem kleinen Rondell durch die Lüfte flog, hörte ich eine Mutter am Handy sagen: „Lukas ist mit dem Joystick in der Hand eingeschlafen“. Ich kann Ihnen kaum schildern, wie sehr ich mich für diese Mutter geschämt habe.

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