Fitness und Ernährung

Powerstoff Vitamine

Eine Hommage an Léonard Autier

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Eine unserer Freundinnen, eine Mittvierzigerin, lässt sich ihre Vitaminpräparate aus Amerika schicken. „Auf dem deutschen Markt erhält man so etwas nicht“, erklärte sie uns auf einem gemeinsamen Abendessen. „Die hat doch ständig irgendein Wehwehchen“, wandte mein Mann hinter vorgehaltener Hand ein. Ich stimmte ihm zu. Manchmal versetzt der Glaube halt keine Berge.

Mit den Vitaminen ist das so eine Sache. Die einen meinen, tagtäglich eine Pille schlucken zu müssen, und schwören darauf –, die anderen verfechten das Credo der Natürlichkeit und verdammen die künstlichen Wirkstoffe mit dem Argument, dass in unserer Nahrung mehr als ausreichend Vitamine vorhanden seien. Doch liegt die eigentliche Wahrheit wirklich zwischen den Meinungen? Belle Experts hat für Sie recherchiert.

Dreizehn Vitamine sind es, die der Mensch zum Leben benötigt. Bis auf die Vitamine D und B3 kann unser Körper diese Stoffe nicht selbst bilden. Er ist folglich auf eine regelmäßige Zufuhr von außen angewiesen. Unterschieden wird in zwei Gruppen, den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K, von denen die drei erstgenannten vom Körper gespeichert werden können, man kann sie sozusagen auf Vorrat zu sich nehmen. Allerdings kann eine zu hohe Zufuhr dieser Vitamine auch zu Überdosierungen führen, die ernsthafte Erkrankungen nachsichziehen. Dies gilt jedoch nur für die Einnahme künstlicher Präparate. Allein über die bloße Nahrungsaufnahme ist eine Überdosierung nicht möglich.

Die zweite Gruppe bilden die wasserlöslichen Vitamine C und der B-Komplex. Sie werden bei einer zu hohen ‚künstlichen‘ Zufuhr vom Körper wieder ausgeschieden.

Seit nunmehr siebzig Jahren können sämtliche Vitamine auch künstlich erzeugt werden. Seitdem garantieren sie eine vollends autarke Versorgung – auch ohne Nahrungsaufnahme. Für viele kranke Menschen ist dies ein Segen. Für alle Gesunden hat die Pharmaindustrie eine Versorgungslücke entdeckt: Künstliche Vitamine zur sogenannten Nahrungsergänzung. Bei einer normalen, ausgewogenen Ernährung besteht kein Grund, auf solche Präparate zurückzugreifen, doch es gibt auch Ausnahmen. Wer sich – über einen längeren Zeitraum – nur unzureichend mit natürlichen Vitaminen versorgt, der sollte durchaus die künstliche Form der Zufuhr wählen, um keine Mangelerscheinungen zu riskieren. Vor allem ehemals Kranke in der Phase der Rekonvaleszenz, die eine geregelte Nahrungsaufnahme erst einmal nicht erlaubt; Besucher fremder Länder, denen die Essgewohnheiten in der Ferne abträglich erscheinen und gestresste Mitmenschen, die vor lauter Arbeit das Essen mitunter ganz einfach vergessen, zählen dazu. Zur Dauerlösung sollte diese Gewohnheit jedoch nicht werden, denn die natürlichen Vitamine bergen einen unschätzbaren Vorteil: In Obst und Gemüse enthalten, sind sie fast immer mit weiteren Nährstoffen, den Flavonoiden, angereichert, die die Wirksamkeit der Vitamine in unserem Organismus deutlich verstärken. Das reine Vitamin an sich – in künstlicher Form – kann diese Wirkung nicht entfalten. Es gibt aber besondere Vitaminpräparate, die diesem Missstand Rechnung tragen. Erhältlich sind sie einzig in der Apotheke.

Immer wieder geistert es durch die Presse: ‚Vitamine gegen Krebs‘. Eines vorweg: Zwar gibt es eine Handvoll Studien, die – gedeutet mit viel Wohlwollen – diese These unterstützen –, als bewiesen gilt sie deshalb aber noch lange nicht. Viel zu komplex stellt sich jeder Einzelfall dar, als dass sich allgemeingültige Schlüsse daraus ableiten ließen.

Vor allem dem Vitamin C wird eine Schlüsselfunktion attestiert: Reichlich überdosiert soll es den Menschenfeind Nummer 1 (den Krebs) in seine Schranken verweisen. Und weil dieses Vitamin wasserlöslich ist, wird der Anteil, den der Körper nicht benötigt, beim nächsten Gang auf die Toilette wieder ausgeschieden. Man geht also keinerlei Risiko ein, denn einer Überdosis Vitamin C folgen keinerlei negative Konsequenzen. Und schon sind wir wieder bei unserer Freundin angelangt, die auf die Vitamine aus Amerika schwört.

Meine Meinung ist zweigeteilt. Einerseits zähle ich zu den Verfechtern einer ausgewogenen Ernährung. Ich besuche regelmäßig den Wochenmarkt, um meiner Familie den Speiseplan mit frischem Obst und Gemüse so variationsreich wie möglich zu gestalten. Unsere Tochter nascht Gurkenscheiben und Apfelspälten. Andererseits beäuge ich aber auch unsere Freundin (die mit den Vitaminen aus Amerika). Was wäre denn, wenn sie bis zu ihrem Lebensende nicht an Krebs erkrankt, sondern ich, der ich ihre Powervitamine stets belächelt habe? Allein der Gedanke erzeugt ein mulmiges Gefühl in meiner Magengegend.

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