Kosmetik

Permanent-Make-up

Pro und Kontra eines Trends

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Neulich traf ich eine alte Bekannte wieder. Aisha arbeitet, seit ich sie kenne, in einem Bistro ganz in der Nähe des Wohnhauses meiner Eltern, welchen ich vier, fünf Mal im Jahr einen Besuch abstatte. Durch die Geburt unserer Tochter beschränkten sich unsere Treffen jedoch über einige Monate ausschließlich auf Haus und Garten, so dass ich Aisha für eine Weile aus den Augen verlor. Eines schönen Tages spielte mein kleiner Sonnenschein so angeregt mit seinen Großeltern, dass ich beschloss, mal wieder einen Stadtbummel zu unternehmen. Ganz so wie früher. Ein Wiedersehen mit meiner alten Bekannten gehörte natürlich auch dazu.

„Uih!“ entfuhr es ihr, als sie mich sah, und wir freuten uns. „Lass‘ dich anschauen!“ rief ich ihr entgegen und musterte sie nach allen Regeln der Kunst. „Dein Haar ist ja viel länger als früher – toll siehst du aus!“ „Du auch“, entgegnete sie, „aber jetzt reden wir erst einmal über Euren Nachwuchs. Warum hast du die Kleine nicht gleich mitgebracht?“ „Sie ist bei meinen Eltern“, erklärte ich, „doch ich habe ein paar Fotos dabei.“ Einige Augenblicke erquickte sie sich an den Schnappschüssen, und sprach mir so manches Mal aus der Seele. Dann rief ein Gast nach ihr.

Zurückgekehrt an meinen Tisch fragte sie schließlich: „Fällt dir nichts an mir auf?“ Ich beäugte sie minutiös, konnte aber nichts Außergewöhnliches entdecken. „Sieh‘ dir mal meine Augenbrauen an!“ „Jetzt, wo du’s sagst –, naja, etwas zu dick aufgetragen“, resümierte ich. Aisha schwieg.

Im Verlaufe unseres Gesprächs erzählte sie mir, dass sie ihre Augenbrauen durch ein Permanent-Make-up ein wenig in Form bringen wollte. Gesagt – getan. Die Behandlung bei einer Kosmetikerin dauerte knapp zwei Stunden. Und dann das: „Es wirkt, als seien die Wimpern verkleistert“, beklagte sich Aisha, „und zu dunkel sind sie auch.“ Selbstverständlich hatte sie sich darüber beschwert, woraufhin ihr eine Nachbesserung angeboten hatte, auf die sie aber verzichtete. Nun läuft sie erst einmal so herum.

Aisha ist kein Einzelfall. Das Permanent-Make-up kann quasi jeder anbieten, der sich dazu berufen fühlt. Zwar unterliegen die Farbstoffe der Tätowiermittelverordnung, so dass die Hersteller verpflichtet sind, die Inhaltstoffe anzugeben. Aber was nützt das, wenn ein selbsternannter Spezialist in seinem Hinterhofstudio unsachgemäß mit den Farben hantiert? Juristisch betrachtet spielt sich eine solche Behandlung in einer Grauzone ab, weil fast niemals – bereits im Vorfeld – verwendbare Beweise für eine Regressforderung – im Nachhinein – geschaffen werden. Oftmals überwiegt die Euphorie dem rationalen Handeln. Missetaten wieder zu entfernen ist kostspielig, vor allem aber langwierig. Ein Dutzend Laserbehandlungen ist vonnöten. Dauer: gut zwei Jahre. Gehen Sie deshalb auf Nummer sicher! Examinierte, speziell geschulte Kosmetikerinnen sind die erste Wahl. Folgen Sie nach Möglichkeiten Empfehlungen, und lassen Sie sich Fotos zeigen, die Sie – als Beweismittel – erst einmal behalten. Seriöse Anbieter kommen einem solchen Wunsch ohne weiteres nach. Von Vorteil ist auch ein Vertrag, der sowohl Ihre Wünsche als auch die Vorgehensweise und das zu erwartende Ergebnis schriftlich dokumentiert. Denn man weiß ja nie.

Das Permanent-Make-up kommt im Wesentlichen bei ästhetischen Korrekturen der Lippen und der Augenbrauen zum Einsatz. Lippen werden zumeist mittels einer feinen Nadel pigmentiert. Ton-sur-Ton können die Konturen erweitert werden. Aus schmalen Lippen entstehen so ganz normale, aber auch – falls erwünscht – volle Kussmünder. Soll das ‚künstliche‘ Make-up, das in die oberste Hautschicht gespritzt wird, die Farbe der Lippen verändern (was durchaus möglich ist), so ist Vorsicht geboten, denn nicht jede Nuance, die heute noch voll im Trend liegt, ist auch in Zukunft noch angesagt. Ein kleiner Trost für Übereifrige: nach zwei Jahren verblassen die Pigmente, so dass eine Nachbehandlung notwendig ist.

Für die Augenbrauen ist die Nadel tabu. Das sogenannte Microblading zieht die Farbe mittels einer ultrafeinen Diamantklinge in die Haut. Vorteil: Einzelne Härchen sind klar erkennbar; das Ergebnis wirkt täuschend echt und natürlich. Risiko: Ein solches Prozedere sollte einzig und allein einem wahren Künstler überlassen werden. Nur dann haben Sie auch Ihre wahre Freude daran. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Die Farbe der Augenbrauen harmoniert mit der Farbe des Haares. Experimente muten exaltiert an. Bedenken Sie deshalb bei der Wahl des Farbtons für Ihre Augenbrauen, dass Sie vielleicht einmal Ihr Haar färben möchten (oder es bereits jetzt tun). Schwarze Augenbrauen zur blonden Mähne wirken nur bedingt aufregend.

Fazit: Subtil umgesetzt kann ein Permanent-Make-up kleine Wunder bewirken, gerade im Bereich der Lippenkonturen. Übertrieben vollzogen werden Sie es bereuen. Ebenso wie Aisha, meine Bekannte. Ihre Augenbrauen wurden übrigens mit der Nadel gespritzt, wie sich später herausstellte.

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