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Nadelstiche gegen die Schmerzen

Was Akupunktur bewirken kann

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Ich hatte es nicht erwartet. Mein Orthopäde, ein promovierter Schulmediziner, dem ich bereits seit vielen Jahren mein Vertrauen schenke, wenn mich wieder einmal mein Rücken plagt, überraschte mich eines lieben Tages, als ich ihn wegen einer Verspannung im Oberarm aufgesucht hatte, mit der Frage: „Soll ich Ihnen mal ein paar Nadeln setzen?“ Bereitwillig erklärte ich mich einverstanden, obgleich mich sein Ansinnen ein wenig verwunderte. „Sind Sie ein Verfechter der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)?“ wollte ich von ihm wissen. „Nun ja“, antwortete er, während er einige Nadeln in meine Hand stach, „in diesem Falle heiligt der Zweck die Mittel.“ Kurz darauf verließ er das Behandlungszimmer und ließ mich für eine Weile alleine.

Da saß ich nun und ergab mich meinem Schicksal. Ganz bewusst umging ich meinen Drang, dort hinzuschauen, wo ein seichtes Pochen wie ein leiser Pulsschlag meine Haut durchströmte: auf meine Hand. Fünf Minuten später konnte ich – die vor Spritzen jedweder Art seit frühester Kindheit einen Graus hat – dem Reiz nicht mehr widerstehen, zumal sich zu dem Pochen ein penetranter Schmerz gesellte. Wie lange Stacheln standen die Nadeln ab in alle Himmelsrichtungen, und es wäre mir ein Leichtes gewesen, sie einfach wieder herauszuziehen, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Aber ich tat es nicht. Nach weiteren fünf Minuten wurde ich schließlich erlöst. Schon am Nachmittag klang die Verspannung in meinem Arm ab. Tagsdrauf verspürte ich keinerlei Schmerzen mehr.

In Abgrenzung zur Schulmedizin ist die Akupunktur im Rahmen der TCM vor langer, langer Zeit in mehreren asiatischen Ländern entwickelt worden. Die Lehre besagt, dass eine sogenannte Lebensenergie (Qi) durch mehr als ein Dutzend Meridiane unseren gesamten Körper durchfließt und dort eine Art Netzwerk bildet. In einem gesunden Organismus ist das Qi durchweg ausgewogen und kann ungehindert fließen. Wird nun der Energiefluss behindert, so kann dies zu Krankheiten führen, bedingt durch Verletzungen aber auch durch einen ungesunden Lebensstil. Um die ‚Energie‘ wieder ungehindert fließen zu lassen, werden bestimmte Akupunkturpunkte, die sich an vielen Stellen des Körpers befinden, mit Nadeln stimuliert. Der Reiz, den der Piks der Nadeln dabei auslöst, wirkt durchblutungsfördend und schmerzlindernd. Vor allem jedoch entfacht er einen Impuls, der die Blockaden in den Meridianen wieder löst.

In der Schmerztherapie ist die Akupunktur mittlerweile durch zahlreiche medizinische Studien belegt, wenngleich ihre Wirkweise noch nicht vollends erforscht ist. Dieses Faktum – nennen wir es eine schwelende Ungewissheit – trägt erheblich dazu bei, dass die Akupunktur nicht generell als eine universelle Heilmethode angesehen wird. Die einen schwören darauf – andere hingegen verteufeln sie. Nicht ganz unschuldig daran ist zum einen die gespaltene Haltung der Mediziner, von denen einige die Nadelstiche skeptisch beäugen, obschon es erwiesen ist, dass eben diese bestimmte Reaktionen im vegetativen Nervensystem auslösen und überdies neuronale und hormonelle Botenstoffe freisetzen, deren Fluss geeignet ist, Krankheiten zu heilen. Zum anderen – und dieser Aspekt erscheint mir weitaus treibender – wird die Wirkung einer Akupunktur-Therapie von vielen potenziellen Nutznießern deshalb mit Argwohn betrachtet, weil jene den direkten Zusammenhang zwischen den Einstichen, die bisweilen weit entfernt vom eigentlichen Ort des Schmerzes liegen, als nicht nachvollziehbar erachten. „Wie kann ein Nadelstich in die Sohle meines Fußes mein Nierenleiden abschwächen oder gar heilen?“ lautet eine Frage, die stellvertretend für viele andere steht, die die Skeptiker auf den Plan rufen. Die Antwort: Die Hauptleitbahn des Funktionskreises ‚Niere‘ beginnt auf der Fußsohle und windet sich dann um den Innenknöchel und über die Innenseite des Beines hinauf zum Bauch. Sie endet am Brustkorb.

Bereiten wir den Dissonanzen ein Ende, und begeben wir uns auf zu neuen Ufern! Wer an Schmerzen leidet, die durch die konventionelle Medizin partout nicht gelindert werden können, der sollte es auf einen Versuch ankommen lassen, selbst dann, wenn der behandelnde Arzt davon abrät. Speziell ausgebildete Mediziner, aber auch viele Heilpraktiker sind befähigt, Ihnen zu helfen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Liste von Beschwerden erstellt, die durch die Akupunktur gelindert werden können:

· neurologische Störungen bei Kopfschmerzen oder nach einem Schlaganfall
· Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis
· Erkrankungen des Verdauungstraktes
· Schlafstörungen
· Netzhautentzündungen des Auges

Darüber hinaus konnte in vielen Fallstudien die Wirksamkeit der Akupunktur bei Migräne, chronischen Rückenschmerzen und Schmerzen bei der Knie-Arthrose bewiesen werden.

Führt der behandelnde Arzt die Akupunktur im Rahmen einer Schmerztherapie selbst durch (wie in meinem geschilderten Fall), dann tragen die Krankenkassen die Kosten. Informieren Sie sich deshalb vorab.

3 Kommentare

  1. Hanna Adams

    22. Juli 2020 um 16:44

    Vielen Dank für den Beitrag zur Akupunktur. Meine Tante nutzt die Akupunktur in der Schmerztherapie gegen ihre Rückenschmerzen. Gut zu wissen, dass die Wirksamkeit der Akupunktur durch Studien belegt ist, auch wenn die Wirkweise noch nicht ganz erforscht ist.

    • Belle Experts Redaktionsteam

      2. August 2020 um 19:12

      Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Es freut uns, dass Ihnen dieser Betrag gefällt. Ihre Belle Experts-Redaktion

  2. Joachim Hussing

    6. August 2020 um 17:33

    Danke, dass Sie diesen Blog über Akupunktur mit anderen teilen. Ich wusste nicht, dass Orthopäden mit Akupunktur arbeiten. Ich habe in letzter Zeit viele Verspannungen erlebt, deshalb werde ich einen Orthopäden aufsuchen, um festzustellen, was man tun kann, um sie zu lösen.

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