Frauengespräche

Wenn die Seele brennt

Die zwei Seiten der Eifersucht

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„Er liebt mich – er liebt mich nicht. Er liebt mich – oder vielleicht doch eine andere?“ Im sanften Wind der Gedanken segeln die weißen Blütenblätter wie kleine Träume hinab auf den Boden der Tatsachen. Und weil ich vorher, ob der Vielzahl der Blätter, nicht weiß, wie das Spielchen ausgehen wird, bin ich gespannt wie ein Flitzebogen. Aufgeregt sowieso. Ist der Stängel schließlich gerupft wie ein Hühnchen, offenbart sich mir die Gewissheit. Ja oder nein heißt es dann – nichts anderes.
Eifersucht ist ein Gefühl, eine Emotion, die uns umspült, wenn wir uns nicht ganz sicher sind. Ähnlich dem Neid, der den Besitz der anderen kritisch beäugt, gleichsam danach trachtend. Überlegen ist sie ihrem Bruder, dem blassen, dem gelben, allemal, weil die Liebe – und somit dem einzigen, was zählt, sie antreibt.
In eine Schublade stecken lässt sie sich nicht. Ein Dutzend – im Mindesten – wäre vonnöten, um sie adäquat zu klassifizieren. Angefangen bei der gesunden Eifersucht, die jeder partnerschaftlichen Beziehung einen gewissen Kick verleiht – sagen wir es so salopp – bis hin zur krankhaften ihrer Art, die manche Psychologen als ein Gift bezeichnen, das die Zweisamkeit über alle Maßen belastet und strapaziert.
Die Wahrheit und somit auch das erlösende Fazit liegen irgendwo in der Mitte einer imaginären Skala, die wir selbst nicht zu fassen vermögen, so uns denn die Eifersucht tatsächlich quält. „Nach anderen Ausschau zu halten, sollte nicht partout tabuisiert werden“, rät ein namhafter Münchener Psychologe, dem Judith, eine der Teilnehmerinnen unserer Diskussionsrunde, sogleich ins Wort fällt: „Treue auf ewig ist das versprochene Gebot“, sagt sie inbrünstig, als Emma ihren Kopf schüttelt: „Der Nervenkitzel einer Beziehung beruht einzig und allein darauf, eine gewisse Balance zu wahren. Eine Balance zwischen den äußeren Reizen und dem, was uns lieb und teuer ist.“ Wir wahr – doch nicht jede Frau denkt ebenso.
Eifersucht entsteht aus zweierlei Gründen: einerseits – ausgehend vom Partner, demjenigen also, mit dem wir unser Leben verbringen. Bestenfalls haben wir ihn uns ausgesucht, ihn auf die Probe gestellt – jahrelang –, um ganz sicher zu gehen. Dieses Vorgehen setzt aber voraus, dass wir überhaupt befähigt waren, eine Auswahl aus freien Stücken zu treffen, denn in den meisten Fällen ergeben sich Freundschaften und aus ihnen resultierende Beziehungen eher zufällig und somit ohne einen wohlüberlegten Prozess, der bereits beim Anbandeln die Weichen für die Zukunft stellt. Wer sich schlichtweg für den falschen Partner entschieden hat, der darf sich also nicht wundern, wenn ihn die Eifersucht übermannt, ihm gleichsam vor Augen führend, wie schön und harmonisch alles sein könnte, wenn er, der Falsche, ihm, dem Richtigen, der längst ausgespäht wurde, ein für alle Male weichen würde.
Andererseits liegt es aber auch an uns selbst. Wenn er, der uns liebt, auf der Flaniermeile in der Stadt beim Samstagsbummel einer hübschen Blondine hinterherschaut, dann ist das – so meine ich – sein gutes Recht. Wo kämen wir denn hin, wenn es dem Lover verboten wäre, auf all die Reize, die unsere Gesellschaft nun einmal zur Schau stellt, zu reagieren? Ins Zeitalter der Mönche, die weder links noch rechts schauen, weil sie ihr Gelübde abgelegt haben. Doch wollen wir das?
Einmal abgesehen von der krankhaften Eifersucht, die viele Frauen bisweilen in den Wahnsinn treibt, weil sich all das, was ich bereits geschildert habe, hochschaukelt, solange, bis es keinen Ausweg mehr gibt – einmal abgesehen von diesen Extremsituationen, an denen einige der Beteiligten nicht ganz unschuldig sind, weil sie dem Entstehen der Eifersucht durch ihr eigenes Verhalten einen gehörigen Vorschub geleistet haben, sollten jene, deren Seele Feuer gefangen hat, erst einmal zur Ruhe kommen. Zu verzweifeln ist ebenso wenig zielführend wie das Haar in der Suppe zu suchen.
Wer sich selbst nicht als liebenswert erachtet, wird immer wieder mit den Zweifeln an der Liebe des Partners zu kämpfen haben. Der jedoch trägt meist nur eine marginale Schuld am Entstehen der Eifersucht – vielmehr sind es die eigenen Ängste, die oftmals im Verborgenen schlummern. Das können traumatische Erlebnisse sein, die mitunter bis in die Kindheit zurückreichen, zum Beispiel eine unzureichende Zuwendung der Eltern, aber auch schlechte Erfahrungen aus früheren Beziehungen.
Moritz Ischebeck, ein Psychotherapeut aus Berlin, betrachtet die Thematik ganzheitlich: „Ein Partner, der mit der krankhaften Eifersucht des anderen konfrontiert ist“, sagt der Experte, „sollte eindeutige Signale aussenden und dem anderen zu verstehen geben: Ich liebe dich und möchte mit dir zusammen sein. Du allein bist für deine Eifersucht verantwortlich. Du musst etwas dagegen unternehmen – gegebenenfalls mithilfe eines Therapeuten.“ Um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern, kann es sehr hilfreich sein, den Partner vorübergehend aus dem Fokus zu rücken. Wer sich eine kleine Parallelwelt in Form von neuen Hobbys oder anderweitigen Beschäftigungen schafft, der sorgt für eine gewisse Abwechslung, die durchaus geeignet ist, den Geliebten eine Zeitlang zu ‚vergessen‘, um so auf andere Gedanken zu kommen. „Freunde einmal ohne den Partner zu treffen“, rät Moritz Ischebeck, „ist ein weiteres probates Mittel.“ Und dann fügt er noch an: „Eifersucht lässt sich definitiv überwinden.“
Einen etwas anderen Ansatz verfolgt die Psychologin Birgit Spieshöfer aus Verden, behauptet sie doch: „Mit Liebe, wie es manchmal gesagt wird, habe Eifersucht nichts, aber auch gar nichts zu tun.“ Zwar beruft auch sie sich auf etwaige Traumata, die den Betroffenen in ihren Kindheitstagen widerfahren sein könnten, sieht den Spielball der Eifersucht aber im Feld derjenigen liegen, die unter ihr leiden. „Wer seine Eifersucht überwinden möchte, sollte in sich hineinhorchen und der Ursache auf den Grund gehen. Erst wenn ich mich selbst liebe, bin ich nicht mehr abhängig davon, von jemand anderem geliebt zu werden. Dazu gehört aber nicht nur, sich seine Schwächen einzugestehen, sondern auch, sich seiner Vorzüge bewusst zu sein.“
Er liebt mich – er liebt mich nicht. Wieder zupfe ich an den Blütenblättern, um Klarheit zu erlangen. Doch diesmal stehen die Chancen recht gut. So gut, dass ich – souverän wie niemals zuvor – dem letzten Blättchen, das hinab auf den Boden der Tatsachen segelt, einen hoffnungsfrohen Gruß mit auf die Reise gebe. Und natürlich – wie könnte es anders sein? Er liebt mich!

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